Ein paar Worte von Anselm Grün zu der Corona-Pandemie


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03 Nov
03Nov

Liebe Leserin, lieber Leser!

Im Frühjahr dachten wir, die Corona-Pandemie sei nach Ostern vorbei. An Pfingsten hofften wir, nach der Urlaubszeit werde das Leben wieder normal weitergehen. Aber wir stecken noch in der Krise. Und keiner weiß, wann sie überwunden ist. Es ist sicher berechtigt, dass wir darüber diskutieren, ob alle Maßnahmen der Regierung immer klug sind. Aber wir sollten das sachlich tun, anstatt voller Aggressionen gegen jede Beschränkung zu kämpfen. Die Frage ist, wie wir ein gesundes Gleichgewicht zwischen Schutz des Lebens und Behinderung des Lebens finden. Viele Menschen wehren sich gegen Schutzmaßnahmen, weil sie möchten, dass alles wieder so ist wie vorher. Doch die Krise bleibt eine Herausforderung, tiefer nachzudenken, was gutes Leben ist. Jesus spricht von den Zeichen der Zeit, die wir deuten sollten. Manche Christen deuten die Pandemie vorschnell als Strafe Gottes. Das widerspricht der Sicht Jesu. Für ihn sind die Zeichen der Zeit eine Mahnung, umzudenken und tiefer zu sehen.

 Die Pandemie hat gezeigt, dass wir uns mit dem Virus anstecken können. Aber auch, dass wir verantwortlich sind für alle Menschen. In der Tiefe sind wir alle verbunden. Und so sollen wir andere nicht mit unserer Bitterkeit und Unzufriedenheit anstecken, sondern mit unserem Vertrauen, unserer Hoffnung, Barmherzigkeit und Liebe. Wir sind verantwortlich für das, was von uns auf unsere Umgebung ausstrahlt. Jeder trägt zum Klima in der Gesellschaft bei. Daher ist das geistliche Leben, das Ringen um Liebe und Güte nie nur unsere private Angelegenheit, sondern immer auch ein Beitrag zu einer menschlicheren und barmherzigeren Gesellschaft.

 

So wünsche ich Ihnen, dass in diesen Zeiten Zuversicht und Milde, Hoffnung und Vertrauen von Ihnen ausgehen, damit in der dunklen Zeit des Novembers von uns her ein Funke Licht die Dunkelheit der Welt erhellt.

 

Ihr Anselm Grün

 

einfach leben – Ein Brief von Anselm Grün

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